Lelit Bianca V3: Dualboiler mit Flow Control im Porträt

Espresso läuft aus dem Siebträger in ein Glas

Die Lelit Bianca ist eine Dualboiler-Siebträgermaschine mit E61-artiger Brühgruppe, leiser Rotationspumpe und einem Holzpaddel, mit dem du den Wasserfluss während des Bezugs von Hand steuerst. Sie passt zu dir, wenn du Espresso und Milchgetränke gleichermaßen trinkst, mit Präinfusion und Druckprofilen experimentieren willst und rund 1.850 bis 2.500 € ausgeben kannst. Wer einfach nur zuverlässig guten Espresso ohne Tüftelei möchte, bekommt bei Lelit selbst und bei anderen Herstellern günstigere oder unkompliziertere Maschinen.

Hier erfährst du, wie die Bianca technisch aufgebaut ist, was die aktuelle Version V3 von V1 und V2 unterscheidet, welche Kritikpunkte immer wieder genannt werden und welche Alternativen in derselben Liga spielen.

Steckbrief: Lelit Bianca V3 (PL162T)

Die Werte stammen vom Lelit-Datenblatt und der Produktseite. Wo Lelit nichts angibt oder Händler abweichen, ist das vermerkt.

MerkmalWert
BauartDualboiler mit zwei getrennten PID-Regelungen
KesselBrühkessel 0,8 l, Dampfkessel 1,5 l, beide Edelstahl AISI 316L
BrühgruppeLelit L58E (E61-Bauweise) mit Flow-Control-Paddel und eigenem Manometer
Siebträger58 mm, mitgeliefert mit Ausläufen und bodenlos
PumpeRotationspumpe, Druck über eine Einstellschraube außen justierbar
LeistungLelit nennt keinen Wert, Händler geben rund 1.350–1.400 W an
Aufheizzeitlaut Händlern rund 15–20 Minuten bis zur thermischen Stabilität
Wasser2,5-l-Tank, an drei Seiten montierbar, alternativ Festwasser und direkter Abfluss
SteuerungLCC (Lelit Control Center) mit OLED-Display und Shot-Timer
ManometerGruppenmanometer plus Doppelmanometer für Pumpen- und Dampfdruck
Maße29 cm breit, 39 cm hoch; Lelit nennt 58,5 cm Tiefe, laut Messung von Kaffeemacher.de ohne Siebträger je nach Tankposition rund 41–50 cm
Gewicht27,2 kg laut Lelit
HolzelementeWalnuss beim Edelstahlmodell, Ahorn bei Schwarz und Weiß
Preisspanneetwa 1.850–2.500 €, je nach Farbe und Händler

Die Tiefe hängt stark davon ab, wo du den Tank anbringst. Kaffeemacher.de hat rund 41 cm mit seitlichem und 50 cm mit hinten montiertem Tank gemessen, der Siebträger ragt etwa 9,5 cm nach vorn. Mit seitlichem Tank wächst dafür die Breite. Im Lieferumfang sind laut Händlern unter anderem zwei Siebträger, IMS-Siebe, Blindsieb, ein 58,55-mm-Tamper und ein Wasserfilter enthalten.

So funktioniert die Bianca technisch

Zwei Kessel, zwei Temperaturen

Anders als ein Zweikreiser wie die Lelit Mara X hat die Bianca einen eigenen Kessel nur für das Brühwasser. Die Temperatur stellst du am LCC direkt ein, unabhängig vom Dampfkessel, der standardmäßig bei rund 125 °C arbeitet und sich seit der V2 bis 135 °C hochregeln lässt. Du kannst also gleichzeitig Espresso beziehen und Milch schäumen, ohne Cooling Flush und ohne dass die Brühtemperatur unter dem Dampfbezug leidet. Trinkst du nur Espresso, schaltest du den Dampfkessel ab und sparst Energie.

Flow Control: Paddel und Low Flow

Das Herzstück ist das Holzpaddel oben auf der Gruppe. Es öffnet und schließt ein Nadelventil hinter der Pumpe und drosselt so den Wasserfluss zum Kaffee. Am Gruppenmanometer siehst du, welcher Druck dabei am Puck entsteht. So kannst du zum Beispiel sanft mit niedrigem Druck vorbrühen, dann voll aufdrehen und gegen Ende wieder zurücknehmen. Das hilft vor allem bei hellen Röstungen, die bei konstanten 9 bar gern ungleichmäßig extrahieren.

Seit der V3 gibt es zusätzlich ein elektronisch gesteuertes Ventil. Darüber programmierst du am LCC eine Low-Flow-Phase am Anfang und eine am Ende des Bezugs. Laut Coffeeblog sinkt der Durchfluss dabei von rund 6,5 auf etwa 4 ml pro Sekunde. Paddel und Programm lassen sich kombinieren, dazu kommt eine einstellbare Präinfusion mit Pause. Damit werden Profile wiederholbarer, als wenn du jedes Mal von Hand nach Gefühl drehst.

Rotationspumpe und Festwasser

Die Rotationspumpe ist deutlich leiser als die Vibrationspumpen vieler Konkurrenten und vibriert kaum, was Tassen auf der Waage ruhig stehen lässt. Kaffeemacher.de hat rund 61 dB gemessen. Weil die Pumpe auch mit Leitungsdruck arbeitet, kannst du die Bianca fest an die Wasserleitung anschließen und die Tropfschale direkt in einen Abfluss leiten. Laut Händlerdokumentation wird dafür unter der Maschine ein Stopfen gelöst und der mitgelieferte Anschluss am Wassereinlass montiert, der Tank kann danach ganz entfallen. Im Tankbetrieb sitzt der 2,5-l-Behälter außen am Gehäuse, damit sich das Wasser nicht miterwärmt.

Bianca V1, V2 und V3

Die Bianca kam Ende der 2010er-Jahre auf den Markt. Die Grundarchitektur mit Dualboiler, Rotationspumpe und Paddel ist seitdem gleich geblieben, verändert haben sich vor allem Software und Details:

  • V1: Dualboiler mit manuellem Paddel und LCC, Dampfkessel maximal 125 °C.
  • V2: Ab 2020 neue Software mit Eco-Modus (Dampfkessel aus), Reserve-Modus bei niedrigem Wasserstand, Anzeige der tatsächlichen Kesseltemperatur und Dampf bis 135 °C. Später kamen laut US-Händler 1st-line längere Dampf- und Heißwasserventile, IMS-Siebe und ein neuer Tank hinzu.
  • V3: Seit 2022 erhältlich, mit programmierbarem Low Flow, Standby- und Sleep-Modus, einem Offset für die Brühtemperatur und laut Lelit einem neuen NTC-System für kürzeres Aufheizen.

Deutsche Händler verkaufen aktuell die V3, Lelit selbst führt die Maschine auf der Website nur noch als „Bianca“ ohne Versionszusatz. 2026 erschien zum 40-jährigen Firmenjubiläum eine auf 1.986 Stück limitierte Edition mit illustriertem Gehäuse und Zebranoholz, technisch laut Lelit unverändert.

Stärken und Schwächen

Was dafür spricht

  • Flow Control ab Werk: Paddel und programmierbarer Low Flow sind in dieser Preisklasse selten serienmäßig, bei vielen E61-Dualboilern kostet das einen Nachrüstsatz.
  • Stabile Temperatur: Kaffeemacher.de hat über mehrere Bezüge eine Standardabweichung von rund 1 °C gemessen, über eine Stunde sogar weniger.
  • Leise Rotationspumpe mit Festwasseroption, ein Punkt, der bei Konkurrenten mit Vibrationspumpe fehlt.
  • Flexibler Tank: links, rechts oder hinten montierbar, was bei tiefen Arbeitsplatten unter Hängeschränken hilft.
  • Umfangreiches Zubehör inklusive bodenlosem Siebträger und gutem Tamper.
  • Energiesparfunktionen: Dampfkessel abschaltbar, Sleep-Modus mit 70 °C im Brühkessel, Standby nach 30 Minuten.

Was du wissen solltest

  • Temperatur-Offset: Kaffeemacher.de berichtet von über 20 geprüften Geräten, die meist 4 bis 8 °C kälter brühten als angezeigt. Lass den Offset vom Händler einstellen oder prüfe ihn selbst, sonst wundert man sich schnell über sauren Espresso.
  • Aufheizzeit: Für eine E61-Maschine flott, aber neuere Konstruktionen wie die ECM Synchronika II oder die Linea Micra sind in deutlich unter zehn Minuten bereit.
  • Keine Profilspeicher: Programmierte Abläufe lassen sich nicht als Presets ablegen, ein Durchflussmesser für Mengenprogrammierung fehlt ebenfalls.
  • Lernkurve: Das Paddel bringt nur etwas, wenn du dich damit beschäftigst. Ohne das zahlst du für Funktionen, die du nicht nutzt.
  • Größe und Gewicht: Rund 27 kg und viel Stellfläche. Das Gehäuseblech wird in Rezensionen teils als dünn beschrieben, Edelstahl zeigt Fingerabdrücke.

Für wen eignet sich die Lelit Bianca?

Die Bianca ist für Leute gemacht, die Espresso als Hobby betreiben. Wenn du verschiedene Röstungen von hell bis dunkel trinkst, regelmäßig Milchgetränke machst und verstehen willst, wie Präinfusion und Durchfluss den Geschmack verändern, bekommst du hier viel Werkzeug in einem Gerät. Auch Einsteiger mit Ehrgeiz können damit anfangen: Ohne Paddel und Low Flow verhält sich die Bianca wie ein normaler Dualboiler, die Profilfunktionen kannst du nach und nach dazunehmen.

Weniger passend ist sie, wenn du morgens schnell zwei Cappuccino ohne Nachdenken willst, wenig Platz hast oder eine Maschine suchst, die in wenigen Minuten bereit ist. Dann lohnt ein Blick in unsere Kaufberatung für Siebträgermaschinen, wo auch einfachere Dualboiler wie die Lelit Elizabeth (etwa 1.050–1.300 €) vorkommen.

Alternativen zur Lelit Bianca

ModellPreisspanneBauartKernunterschied
ECM Synchronika IIetwa 3.200–3.400 €Dualboiler, E61, Rotationspumpegrößerer Dampfkessel, beheizte Gruppe, schneller bereit; Flow Control nur optional
Profitec Pro 600ab etwa 2.100 €, mit Flow Control mehrDualboiler, E61, Vibrationspumpekleinerer Dampfkessel, nur Tankbetrieb, Flow Control als Variante oder Kit
La Marzocco Linea Micraetwa 3.300–3.900 €Dualboiler mit Sättigungsgrupperund 5 Minuten Aufheizzeit, App, aber keine Flow Control
Lelit MaraX3UVP rund 1.900 €Zweikreiser, E61-artigelektronische Flow Control (Pagaia), aber nur ein Kessel
Rocket R58 Cinquantottoetwa 2.300–2.500 €Dualboiler, E61, RotationspumpeKupferkessel, Festwasser, keine Flow Control ab Werk

ECM Synchronika II

Der deutsche Dualboiler hat einen 2-l-Dampfkessel, 0,75 l Brühkessel und zusätzliche Heizpatronen in der Gruppe. ECM nennt rund 6,5 Minuten Aufheizzeit. Flow Control gibt es nur als Zubehör, dafür wirkt die Maschine noch massiver.

Profitec Pro 600 (Flow Control)

Die Pro 600 ist der naheliegende Preisvergleich: Dualboiler mit E61, 0,75 l und 1 l Kesselvolumen. Sie nutzt eine Vibrationspumpe und lässt sich daher nicht an Festwasser anschließen. Flow Control gibt es ab Werk als Variante oder per Nachrüstsatz.

La Marzocco Linea Micra

Die kleinste La Marzocco setzt auf eine gesättigte Gruppe und ist laut Hersteller in etwa fünf Minuten bereit. Gesteuert wird teils per App. Ihr Paddel ist allerdings nur ein Ein-/Ausschalter, Druckprofile sind ab Werk nicht vorgesehen.

Lelit MaraX3

Die MaraX3 bringt mit Pagaia eine Flow Control, die direkt die Pumpenleistung regelt. Sie bleibt aber ein Zweikreiser mit 1,8-l-Kessel und ist bei der Temperaturstabilität laut Kaffeemacher.de klar schwächer als die Bianca. Für Milchtrinker mit kleinerem Budget trotzdem interessant.

Rocket R58 Cinquantotto

Klassischer Dualboiler mit 0,58 l und 1,75 l Kupferkesseln, Rotationspumpe und Festwasseranschluss. Wer auf Flow Control verzichten kann und die Rocket-Optik mag, findet hier eine ähnlich ausgestattete Alternative.

Praxis-Tipps: Mühle, Einstellung und Pflege

Die passende Mühle

Eine Maschine dieser Klasse braucht eine Mühle, die feine Mahlgradschritte erlaubt. Für Single Dosing mit wechselnden Bohnen ist eine DF64 eine verbreitete Wahl. Rechne grob damit, ein Drittel bis die Hälfte des Maschinenbudgets für die Mühle einzuplanen.

Einstellung im Alltag

  1. Offset prüfen lassen oder mit einem Messsiebträger kontrollieren und im Techniker-Menü korrigieren.
  2. Mit Paddel voll offen starten und das bewährte Grundrezept von 1:2 in 25–30 Sekunden einstellen, wie in Espresso einstellen beschrieben.
  3. Erst danach mit Präinfusion oder Low Flow am Anfang experimentieren und nur einen Parameter auf einmal ändern.
  4. Feste Paddelpositionen merken, etwa „6 Uhr“ und „3 Uhr“, damit Profile reproduzierbar bleiben.
  5. Nach längerer Pause einen kurzen Leerbezug machen, wie bei jeder E61-Gruppe.

Pflege und Entkalken

Rückspülen mit Blindsieb gehört bei der E61-Gruppe zur regelmäßigen Pflege, die Dampflanze wischst du nach jedem Schäumen ab. Wichtiger als Entkalken ist passendes Wasser: Ist es zu hart, verkalken die Kessel, ist es zu weich, leidet der Geschmack. Kaffeemacher.de rät von der mitgelieferten Filterkartusche eher ab. Bei Festwasser sollte der Händler Wasserhärte und Leitungsdruck vorher prüfen.

Fazit

Die Lelit Bianca V3 ist eine der vielseitigsten Maschinen unter 2.500 €: echter Dualboiler, leise Rotationspumpe, Festwasseroption und Flow Control, die du manuell und elektronisch nutzen kannst. Sie lohnt sich, wenn du mit der Maschine wachsen und dich mit Extraktion beschäftigen willst. Rechne mit etwas Einarbeitung, prüfe den Temperatur-Offset und plane Platz und eine gute Mühle ein. Wer Flow Control nicht braucht, fährt mit einem einfacheren Dualboiler günstiger.

Häufige Fragen

Lohnt sich die Lelit Bianca?

Ja, wenn du Flow Control wirklich nutzen willst und Espresso wie Milchgetränke trinkst. Dualboiler, Rotationspumpe, Festwasser und Paddel ab Werk sind in dieser Preisklasse selten. Ohne Interesse an Profilen bekommst du günstigere Dualboiler mit ähnlicher Espressoqualität.

Bianca V2 oder V3: Was ist der Unterschied?

Die V3 ergänzt das Paddel um programmierbaren Low Flow, dazu kommen Standby-Modus, Brühtemperatur-Offset und schnelleres Aufheizen. Kessel, Pumpe und Gruppe sind gleich. Wer gebraucht kauft und nur das Paddel nutzt, kommt auch mit einer V2 gut zurecht.

Wie lange braucht die Lelit Bianca zum Aufheizen?

Händler nennen rund 15 bis 20 Minuten, bis Kessel, Gruppe und Siebträger thermisch stabil sind. Kaffeemacher.de hat etwa 17 Minuten gemessen. Aus dem Sleep-Modus geht es schneller, weil der Brühkessel dort auf 70 °C gehalten wird.

Lelit Bianca oder Mara X?

Die Mara X V2 kostet etwa 1.000–1.200 € und ist ein kompakter Zweikreiser ohne Flow Control. Die Bianca bietet zwei getrennte Kessel, frei einstellbare Brühtemperatur, Festwasser und Paddel. Für Milchgetränke im Alltag reicht die Mara X, für helle Röstungen und Profile ist die Bianca das bessere Werkzeug.

Kann man die Lelit Bianca an Festwasser anschließen?

Ja. Dank Rotationspumpe ist ein fester Wasseranschluss vorgesehen, auch die Tropfschale lässt sich an einen Abfluss anschließen. Der Tank kann dann komplett entfallen. Lass den Anschluss im Zweifel vom Fachhandel machen, damit Druck und Wasserqualität passen.

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