Americano: Rezept, Verhältnis und Unterschied zum Long Black

Kaffee wird in Tassen gegossen

Ein Americano (italienisch Caffè Americano) ist ein Espresso, der mit heißem Wasser verlängert wird. Für eine Tasse bereitest du einen doppelten Espresso zu und kombinierst ihn mit etwa 100 bis 150 ml heißem Wasser. Das Ergebnis ist ein langer, schwarzer Kaffee, der kräftiger als Filterkaffee schmeckt, aber deutlich milder als ein purer Espresso.

In diesem Beitrag findest du die wichtigsten Richtwerte im Steckbrief, die Hintergründe zum Namen, eine klare Abgrenzung zu Long Black, Lungo, Café Crème und Filterkaffee, ein Rezept für den Siebträger mit Varianten bis zum Iced Americano und eine Tabelle mit den typischen Fehlern.

Americano im Steckbrief

Eine verbindliche Norm für den Americano gibt es nicht. Die Werte unten entsprechen den Angaben, die Röstereien und Fachquellen am häufigsten nennen. Kaffeemacher etwa gibt 100 g Wasser plus einen doppelten Espresso an, was rund 145 ml in der Tasse ergibt.

MerkmalRichtwert
Espressomeist doppelt: 16–20 g Kaffeemehl, etwa 36–45 g Espresso im Verhältnis 1:2
Wassermengeetwa 100–150 ml, für einen milderen Kaffee bis rund 200 ml
Verhältnis Espresso zu Wasseretwa 1:2 bis 1:4, nach Geschmack
TasseKaffeetasse oder Becher mit etwa 150–250 ml
Wassertemperaturheiß, aber nicht sprudelnd kochend; Angaben reichen von rund 75 °C bis 90–96 °C
Milchkeine, auf Wunsch ein Schuss Milch extra
Cremaleichte Crema-Schicht, je nach Reihenfolge mehr oder weniger erhalten

Mit einem doppelten Espresso und 100 ml Wasser bekommst du einen kräftigen Americano, mit 150 bis 200 ml einen milderen, der eher an einen starken Filterkaffee erinnert. Ein einfacher Espresso funktioniert auch, dann solltest du die Wassermenge aber auf etwa 60 bis 90 ml verringern, sonst schmeckt die Tasse dünn.

Herkunft: Woher kommt der Name Americano?

„Americano“ heißt auf Italienisch schlicht „amerikanisch“. Die bekannteste Erklärung lautet, dass amerikanische Soldaten im Zweiten Weltkrieg in Italien den Espresso zu stark fanden und ihn mit heißem Wasser verdünnten, damit er dem gewohnten Filterkaffee aus der Heimat ähnelte. Diese Geschichte wird oft erzählt, auch von Röstereien und Händlern. Zeitgenössische Belege dafür gibt es allerdings nicht, sie sollte also eher als Legende gelten.

Sprachgeschichtlich sieht es etwas anders aus. Das Oxford English Dictionary führt den Begriff laut Wikipedia auf das mittelamerikanische Spanisch zurück, wo „café americano“ ab Mitte der 1950er-Jahre als eher abschätzige Bezeichnung für dünnen Kaffee belegt ist. Der früheste englische Beleg stammt demnach aus dem Jahr 1964, und die italienische Form „caffè americano“ taucht später auf. Sicher ist nur: Der Name spielt auf den amerikanischen Geschmack für lange, milde Kaffees an. Wer genau zuerst Wasser in einen Espresso gegossen hat, lässt sich nicht belegen.

Americano, Long Black, Lungo, Café Crème und Filterkaffee im Vergleich

Alle fünf Getränke landen als langer schwarzer Kaffee in der Tasse, entstehen aber auf unterschiedliche Weise. Der entscheidende Unterschied: Beim Americano und Long Black kommt das zusätzliche Wasser erst nach der Extraktion dazu, bei Lungo und Café Crème läuft es durch das Kaffeemehl.

GetränkZubereitungTypische MengeGeschmack
Americanodoppelter Espresso, danach oder davor heißes Wasser in die Tasseetwa 140–250 mlkräftig, rund, wenig Bitterkeit
Long Blackerst heißes Wasser, dann doppelter Espresso obendraufetwa 150–180 mletwas konzentrierter, Crema bleibt besser erhalten
LungoEspresso mit mehr Wasser durch den Siebträger, Verhältnis etwa 1:3 bis 1:4etwa 50–70 g aus 18 g Kaffeedünner als Espresso, neigt zu Bitterkeit
Café Crèmegröber gemahlen, viel Wasser durch den Siebträger, Verhältnis rund 1:8 bis 1:10etwa 120–150 gmild, filterkaffeeähnlich, mit Crema
FilterkaffeeWasser läuft drucklos durch grob gemahlenen Kaffee, etwa 60 g pro Literbeliebig, oft 200–250 ml pro Tasseklar, leicht, mehr Säure und Aromenvielfalt

Long Black

Der Long Black stammt aus Australien und Neuseeland. Hier ist die Reihenfolge festgelegt: zuerst heißes Wasser in die Tasse, dann den doppelten Espresso darauf. Dadurch bleibt die Crema an der Oberfläche liegen. Laut Sage wird ein Long Black in einer kleineren Tasse serviert, typischerweise mit etwa 150 bis 180 ml, ein Americano dagegen häufig in einer größeren Tasse mit 250 bis 300 ml.

Lungo

Ein Lungo ist ein „langer“ Espresso, bei dem mehr Wasser durch dasselbe Kaffeemehl läuft. Kaffeemacher nennt ein Verhältnis von etwa 1:3 bis 1:4, also rund 54 bis 72 g aus 18 g Kaffee. Weil das Wasser länger mit dem Kaffee in Kontakt ist, lösen sich gegen Ende mehr Bitterstoffe. Der Americano umgeht das, indem das Wasser erst nach der Extraktion hinzukommt. Die kurze Gegenrichtung zum Lungo ist der Ristretto.

Café Crème

Der Café Crème, in der Schweiz verbreitet und in Deutschland oft als Caffè Crema bekannt, ist der klassische „Kaffee“ aus dem Vollautomaten. Am Siebträger wird er gröber gemahlen und mit viel mehr Wasser in etwa 25 bis 30 Sekunden bezogen. Kaffeemacher beschreibt ein Verhältnis von etwa 1:10, also rund 120 g Getränk aus 12 g Kaffee. Weil dafür meist eine eigene Mahlgradeinstellung nötig ist, ist der Americano für viele die einfachere Wahl, wenn die Mühle auf Espresso eingestellt bleiben soll.

Filterkaffee

Filterkaffee entsteht ohne Druck, mit gröberem Mahlgrad und deutlich längerer Kontaktzeit. Er hat laut Kaffeemacher eine Stärke von etwa 1,2 bis 1,5 Prozent gelöster Stoffe, ein Americano liegt je nach Wassermenge spürbar darüber. Geschmacklich wirkt Filterkaffee klarer und leichter, der Americano dagegen voller, mit mehr Körper und einer leichten Crema.

Americano zubereiten: Rezept für den Siebträger

Du brauchst für eine Tasse: 16 bis 20 g frisch gemahlenen Kaffee, eine Siebträgermaschine, etwa 100 bis 150 ml heißes Wasser und am besten eine Waage.

  1. Tasse vorwärmen: Spüle die Tasse mit heißem Wasser aus oder stelle sie auf die Tassenablage, damit der Kaffee nicht sofort auskühlt.
  2. Wasser erhitzen: Erhitze Wasser im Wasserkocher oder nutze den Heißwasserauslass der Maschine. Lass kochendes Wasser kurz stehen, bis es unter dem Siedepunkt ist.
  3. Wasser in die Tasse geben: Gieße 100 bis 150 ml heißes Wasser in die Tasse. Mit einer Espresso-Waage darunter triffst du die Menge genau und kannst sie beim nächsten Mal gezielt verändern.
  4. Espresso beziehen: Bereite einen doppelten Espresso mit 18 g Kaffee und etwa 36 g Ertrag in 25 bis 30 Sekunden zu. Wie du Mahlgrad, Dosis und Zeit einstellst, erklärt der Beitrag Espresso einstellen.
  5. Espresso aufs Wasser laufen lassen: Stelle die Tasse mit dem Wasser direkt unter den Siebträger oder gieße den frischen Espresso vorsichtig darauf. So bleibt die Crema an der Oberfläche.
  6. Abschmecken: Probiere und passe beim nächsten Bezug die Wassermenge an. Zu stark: mehr Wasser. Zu dünn: weniger Wasser oder mehr Kaffee im Sieb.

Wasser zuerst oder Espresso zuerst?

Beides ist erlaubt. Gießt du Wasser auf den Espresso, wird die Crema aufgewirbelt und verteilt sich, der Kaffee wirkt etwas runder. Läuft der Espresso auf das Wasser, bleibt die Crema oben liegen, das entspricht dem Long Black. Geschmacklich ist der Unterschied gering. Praktisch spricht für „Wasser zuerst“, dass heißes Wasser auf den Espresso spritzen kann und du die Wassermenge vorab genau abwiegen kannst.

Welche Wassertemperatur ist richtig?

Hier gehen die Empfehlungen auseinander. Kaffeemacher empfiehlt rund 75 °C, Sage nennt allgemein 90 bis 96 °C, Coffeeness etwa 94 °C. Einig sind sich alle, dass sprudelnd kochendes Wasser nicht ideal ist. Ein guter Startpunkt sind 80 bis 90 °C: Der Americano ist dann direkt trinkbar und kühlt nicht zu schnell ab.

Heißwasserauslass oder Wasserkocher?

Viele Siebträgermaschinen haben einen Heißwasserauslass. Bei Zweikreisern und Dualboilern kommt das Wasser meist aus dem Dampfkessel und kann sehr heiß sein. Kaffeemacher rät, das Wasser separat zu erhitzen, statt es aus der Maschine zu nehmen. Wasser aus dem Kessel kann zudem leicht metallisch oder abgestanden schmecken. Wenn du den Auslass nutzt, lass zuerst etwas Wasser ab. Bei Einkreisern wie der Gaggia Classic Pro ist der Wasserkocher meist die bequemere Lösung, weil die Maschine sonst zwischen Brüh- und Dampftemperatur wechseln muss.

Varianten: Iced Americano und Americano ohne Siebträger

Iced Americano

Für den Iced Americano füllst du ein Glas mit etwa 300 ml Volumen mit Eiswürfeln, gibst 100 bis 150 ml kaltes Wasser dazu und lässt den frischen doppelten Espresso darauf laufen. Weil ein Teil des Eises schmilzt, kannst du etwas weniger Wasser nehmen als beim heißen Americano. In Südkorea gilt der Iced Americano als besonders beliebt und wird dort umgangssprachlich als inoffizielles Nationalgetränk bezeichnet. Wenn du kalte Kaffeegetränke magst, ist der Espresso Tonic die spritzige Alternative mit ähnlichem Aufbau.

Ohne Siebträgermaschine

  • Vollautomat: Viele Geräte haben eine eigene Americano-Taste, die einen Espresso bezieht und danach Wasser dazugibt. Fehlt sie, beziehst du einen doppelten Espresso und gibst heißes Wasser aus dem Wasserkocher dazu. Das schmeckt meist besser als ein Café Crème aus demselben Gerät, weil weniger Wasser durch das Kaffeemehl läuft.
  • Kapselmaschine: Eine Espresso-Kapsel mit kleiner Tassengröße und anschließend heißes Wasser ergibt einen ordentlichen Americano. Die Lungo-Taste ist kein Ersatz, denn sie verlängert die Extraktion.
  • Mokkakanne oder AeroPress: Beide liefern ein konzentriertes Kaffeegetränk, das du mit heißem Wasser strecken kannst. Das Ergebnis ist kein echter Americano, kommt ihm aber nahe.

Welche Bohnen passen zum Americano?

Durch das Wasser werden Aromen gestreckt, aber nicht versteckt. Kaffeemacher beschreibt hellere Röstungen als deutliche Verbesserung für den Americano und hält sogar Filterröstungen für geeignet, weil das Wasser deren lebhafte Säure ausgleicht. Wer es klassisch mag, nimmt eine mittlere Espressoröstung mit Schokoladen- und Nussnoten. Sehr dunkle Röstungen können im Americano schnell flach und bitter wirken. Einen Überblick über Röstgrade und Frische findest du im Ratgeber Kaffeebohnen für Espresso.

Typische Fehler beim Americano

ProblemUrsacheLösung
Schmeckt wässrig und dünnZu viel Wasser oder nur ein einfacher EspressoDoppelten Espresso verwenden, Wasser auf 100–120 ml reduzieren
Schmeckt bitterEspresso überextrahiert, sehr dunkle Röstung oder Lungo statt Espresso bezogenGröber mahlen oder Ertrag verkürzen, hellere Röstung testen, Wasser separat zugeben
Schmeckt scharf sauerEspresso unterextrahiertFeiner mahlen, Durchlaufzeit Richtung 25–30 s bringen
Metallischer oder abgestandener BeigeschmackWasser aus dem Kessel der Maschine verwendetErst etwas Wasser ablassen oder frisches Wasser im Wasserkocher erhitzen
Zu heiß zum TrinkenSprudelnd kochendes Wasser verwendetWasser auf etwa 80–90 °C abkühlen lassen
Schnell lauwarmKalte Tasse, zu kühles WasserTasse vorwärmen, Wasser nicht unter etwa 75 °C
Keine Crema an der OberflächeWasser kräftig auf den Espresso gegossenWasser zuerst in die Tasse, Espresso darauf laufen lassen
Jede Tasse schmeckt andersWasser- und Espressomenge geschätztBeides mit einer Waage abwiegen

Fazit

Ein guter Americano braucht nur zwei Zutaten, aber beide sollten stimmen: ein sauber extrahierter doppelter Espresso und heißes, nicht sprudelnd kochendes Wasser. Mit etwa 100 bis 150 ml Wasser auf einen Doppio liegst du richtig, danach justierst du über Wassermenge und Bohne. Gegenüber dem Lungo hat er den Vorteil, dass keine zusätzlichen Bitterstoffe extrahiert werden, gegenüber dem Café Crème, dass die Mühle auf Espresso eingestellt bleiben kann. Ob Wasser oder Espresso zuerst in die Tasse kommt, ist vor allem eine Frage der Crema und des persönlichen Geschmacks.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Americano und Kaffee?

Ein Americano ist ein Espresso, der nachträglich mit heißem Wasser verlängert wird. Filterkaffee entsteht dagegen ohne Druck mit gröberem Mahlgrad. Der Americano schmeckt meist kräftiger und voller, Filterkaffee klarer und leichter.

Wie viel Wasser kommt in einen Americano?

Üblich sind etwa 100 bis 150 ml heißes Wasser auf einen doppelten Espresso, das entspricht einem Verhältnis von etwa 1:2 bis 1:4. Für einen milderen Kaffee kannst du bis rund 200 ml nehmen. Bei einem einfachen Espresso reichen etwa 60 bis 90 ml.

Was ist der Unterschied zwischen Americano und Long Black?

Beim Long Black kommt immer zuerst das heiße Wasser in die Tasse und der doppelte Espresso darauf, die Crema bleibt so erhalten. Außerdem wird er meist mit weniger Wasser serviert. Beim Americano ist die Reihenfolge freier und die Tasse oft größer.

Ist ein Americano stärker als Filterkaffee?

Geschmacklich meist ja, weil er konzentrierter ist als die üblichen 1,2 bis 1,5 Prozent gelöste Stoffe im Filterkaffee. Beim Koffein kommt es auf die Kaffeemenge an: Ein doppelter Espresso aus 18 g Kaffee enthält laut Kaffeemacher etwa 120 bis 140 mg, eine große Tasse Filterkaffee kann ähnlich viel oder mehr liefern.

Ist ein Americano das Gleiche wie ein Lungo?

Nein. Beim Lungo läuft mehr Wasser durch das Kaffeemehl, was zusätzliche Bitterstoffe löst. Beim Americano wird ein normaler Espresso bezogen und das Wasser erst danach zugegeben. Dadurch schmeckt er meist runder und weniger bitter.

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